Kleine Geschenke erhalten die Feindschaft – Die Homeoffice-Pauschale kommt

Das Verhältnis von Staat und SteuerzahlerInnen ist seit jeher schwierig, daher bedarf es ab und an einiger vermeintlicher Geschenke.

Das Problem bei Geschenken ist allerdings immer der Beweggrund weswegen sie gemacht werden. Am schlimmsten sind die Geschenke, die man jemandem macht, weil das Geschenk dem Eigennutz dient.

Die Pandemie hat uns alle gebeutelt, die Wirtschaft im Allgemeinen und die Gesellschaft im Besonderen. Es bedurfte kurzfristiger Lösungen und auch Anreize das Ganze weniger ätzend für uns alle zu gestalten. Die derzeit vorherrschende Situation erforderte spontane und bisweilen auch fragwürdige kreative Lösungen- allerdings gingen die meisten dabei komplett nach hinten los.

Denn da standen wir, mitten in der Pandemie und sollten irgendwie Social-Distancingkonform unsere Arbeit bewältigen damit die Wirtschaft nicht noch weiter in die Knie geht. Also flüchtete jeder der konnte ins Homeoffice.

Nach verlängerter Kurzarbeit, diverser Hilfspakete für die Wirtschaft und dem Corona-Bonus war nun also der neuste Clou in der Welt: die sog. Homeoffice-Pauschale.

Diese ist aus mehreren Gründen totaler Blödsinn, erstens behebt die Regierung hier ein vermeintliches Problem, das sie selbst vor ein paar Jahren geschaffen hat. Denn seit 2016 sind die Aufwendungen für eine sog. Arbeitsecke steuerlich nicht mehr abzugsfähig (BFH, Az. GrS 1/14, Az. X R 1/13 und Az. IX R 20/13, Az. IX R 21/13). Im Jahr 2017 hat man dann die vormals geltende Pauschale von € 1.250,- und ohne Vorlage von Nachweisen für Steuerpflichtige, die tatsächlich im Besitz eines Arbeitszimmers sind, in einen Höchstbetrag, der durch Einzelnachweise belegt werden muss, umgewandelt. Somit war die Geltendmachung für noch weniger Steuerpflichtige möglich.

Deswegen sah sich das Bundesfinanzministerium zu Beginn der Pandemie (17. April 2020) auch direkt genötigt zu diesem Thema Stellung (Seite 10, Nr. 6.) zu beziehen:

Kann ich Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer geltend machen, wenn ich normalerweise einen Büroarbeitsplatz im Betrieb habe, nun aber Corona bedingt zuhause arbeiten muss?


Grundsätzlich sind Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer nicht abzugsfähig. Ausnahmsweise ist der Abzug zulässig, wenn das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet (dann voller Abzug der Aufwendungen) oder für die betriebliche oder berufliche Betätigung kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht (dann Abzug bis zu 1.250 Euro/Jahr). Die Frage der Abziehbarkeit solcher Aufwendungen kann erst im Rahmen der Veranlagung geklärt werden.

Problem Nummer zwei: leider ist nicht nachvollziehbar wie man eigentlich auf die 120 Tage kam, denn wir als Steuerfachleute gehen in der einkommensteuerlichen Veranlagung bei ArbeitnehmerInnen, außer Lehrern, in der Regel von 230 Arbeitstagen im Jahr aus.

Also, wenn wir mal davon ausgehen, dass ab Mitte März ausschließlich im Homeoffice gearbeitet wurde, komme ich immer noch auf 182 (230 steuerliche abzugsfähige Arbeitstage/12 Monate*9,5 Monate) und nicht auf 120 Tage.

Problem Nummer drei: € 5,- um ALLE Kosten, die während der Arbeit im Homeoffice entstanden sind, sollen damit abgedeckt werden. Das ist ein Witz wenn man mal bedenkt, wie viel mehr Strom, Gas und Wasser man verbraucht wenn man jetzt auf einmal nicht nur zwei Tage à 24 Stunden daheim ist sondern eben sieben und dann auch noch mindestens acht Stunden diverse Computer und Drucker laufen.

Problem Nummer vier und eigentlich das größte: Die Homeoffice-Pauschale soll in die sogenannte Werbungskostenpauschale eingerechnet und nicht on top gewährt werden. Lasst mich an einem kurzen Rechenbeispiel erläutern wieso das ganze somit keinen Mehrwert für euch darstellt.

Das ist Nancy, Nancy verdient € 38.167,37 im Jahr und hat darauf € 7.932,63 an Lohnsteuer und € 433,96 Soli gezahlt. Nancy hat abzugsfähige Ausgaben für Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung in Höhe von insgesamt € 5.450,00 außerdem wird ihr eine Sonderausgaben-Pauschbetrag in Höhe von € 36,- gewährt

Wenn die Homeoffice-Pauschale in der Werbungskostenpauschale untergeht sieht das so aus:

Jahresarbeitslohn€ 38.167
– Werbungskostenpauschale€ 1.000
Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit € 37.167
Gesamtbetrag der Einkünfte € 37.167
– Höchstbetrag der Vorsorgeaufwendungen € 5.450
– Sonderausgaben-Pauschbetrag € 36
Einkommen/zu versteuerndes Einkommen€ 31.681

Für das Jahr 2020 ergibt sich lt. Grundtabelle eine Steuerlast von € 6.019,83

Nancy hat insgesamt € 8.366,59 an Steuern vorausgezahlt und bekommt somit eine Erstattung in Höhe von € 2.346,76

                                                                Wenn nun aber die Homeoffice-Pauschale zusätzlich zu der Werbungskostenpauschale in Abzug gebracht werden könnte, würde das Ganze so aussehen:

Jahresarbeitslohn€ 38.167
– Werbungskostenpauschale€ 1.000
– Homeoffice-Pauschale € 600
Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit € 36.567
Gesamtbetrag der Einkünfte € 36.567
– Höchstbetrag der Vorsorgeaufwendungen € 5.450
– Sonderausgaben-Pauschbetrag € 36
Einkommen/zu versteuerndes Einkommen€ 31.081

Für 2020 ergibt sich lt. Grundtabelle eine Steuerlast von € 5.823,60

Nancy hat insgesamt € 8.366,59 an Steuern vorausgezahlt und bekommt somit eine Erstattung in Höhe von € 2.542,99

Die Werbungskostenpauschale ist somit nur für ArbeitnehmerInnen interessant, die keine weiteren Werbungskosten haben, was für viele Arbeitnehmer 2020 der Fall sein wird, weil z.B. Fahrten ins Büro und evtl. Fortbildungen entfallen sind. Die € 600 zusätzlich zu den € 1.000 zu gewähren, wäre also ein kluger Schachzug gewesen.

Noch besser hätte ich es gefunden die Pauschale von € 1.250 aufleben zu lassen solange die Pandemie die Arbeitswelt umkrempelt. Dann würde das ganze nämlich so aussehen:

Jahresarbeitslohn€ 38.167
– Werbungskostenpauschale€ 1.000
– Homeoffice-Pauschale € 600
– Pauschale für häusliches Arbeitszimmer € 1.250
Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit € 35.317
Gesamtbetrag der Einkünfte € 35.317
– Höchstbetrag der Vorsorgeaufwendungen € 5.450
– Sonderausgaben-Pauschbetrag € 36
Einkommen/zu versteuerndes Einkommen€ 29.831

Für 2020 ergibt sich lt. Grundtabelle eine Steuerlast von € 5.418,48

Nancy hat insgesamt € 8.366,59 an Steuern vorausgezahlt und bekommt somit eine Erstattung in Höhe von € 2.948,11








Welcher Punkt mir in der ganzen „Wir tun den gebeutelten ArbeitnehmerInnen einen Gefallen“-Debatte auch noch fehlt ist der Hinweis, dass Arbeitnehmer für dieses Jahr jeden Cent, den sie an Werbungskosten geltend machen können, brauchen werden, da viele Arbeitnehmer in Kurzarbeit sind. Kurzarbeitergeld ist zwar steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt dies wird dazu führen, dass sehr viele ArbeitnehmerInnen 1.) nächstes Jahr vermutlich erstmalig eine Steuererklärung abgeben und 2.) aufgrund des verschobenen Steuersatzes Steuern nachzahlen müssen.

Damit entlasten wir die, die in der Pandemie von zu Hause Enormes geleistet haben, und richten das Steuerrecht konsequent auf die moderne Arbeitswelt aus.

– Alexander Dobrindt

Hier nun meine kleine, aber feine Empfehlung wie ihr nächstes Jahr eure Kosten für ein Arbeitszimmer geltend machen solltet:

  • Seid ehrlich bei der Berechnung eurer Homeofficetage, nehmt diese mit € 5 pro Tag und lasst es auf einen Einspruch ankommen, das Ding wird eh vor einem Finanzgericht landen
  • Die Telefonkosten könnt ihr unabhängig vom Arbeitszimmer mit € 20 pro Monat geltend machen, sofern keine Auslagenerstattung vom Arbeitgeber erfolgte
  • Falls ihr extra einen PC, Drucker, Schreibtisch, Stuhl oder sonstiges gekauft habt, um sicherzustellen, dass ihr im Homeoffice arbeiten könnt, macht das geltend. Obacht bei Anschaffungen über € 800 netto, die müssen anteilig abgeschrieben werden
  • Solltet ihr tatsächlich über ein Arbeitszimmer verfügen (ohne Sofa für Gäste oder ähnliches!), dann legt eure Kosten für die komplette Wohnung prozentual auf das Arbeitszimmer um und bringt diese mit bis zu €1.250 in Abzug. Sofern eure Vorgesetzten euch verboten hat ins Büro zu kommen, würde ich sogar versuchen die Kosten in tatsächlicher Höhe geltend zu machen, da in diesem Zeitraum kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stand

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