Meine Steuererklärung und ich oder: Oh, guck mal ein Eichhörnchen!

Die Qual der Wahl: die Lohnsteuerklasse/Steuerklasse

I

  • Ledige
  • Verheiratete, deren Ehegatte beschränkt steuerpflichtig ist d.h. der Partner hat keinen Wohnsitz in Deutschland
  • Verheiratete, die dauernd getrennt leben, Verwitwete und Geschiedene,
  • Menschen in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft (so lange über die Zusammenveranlagung noch nicht entschieden wurde)

II

  • diese Steuerklasse ist für Alleinerziehende, die ein Anrecht auf den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende haben
  • Hinterbliebene mit Kindern rutschen im Folgejahr nachdem der Partner verstorben ist in diese Steuerklasse (zum „Gnadensplitting“ unten mehr)

III

  • Verheiratete, die nicht dauernd getrennt leben und nicht die Steuerklasse IV gewählt haben. Der berufstätige Ehepartner der ein geringeres Einkommen hat erhält dann die Steuerklasse V. Auch wenn der andere Ehepartner nicht berufstätig oder selbstständig ist, wird die Lohnsteuerklasse 3 zugewiesen.
  • Verwitwete bis zum Ende des auf den Tod des Ehegatten folgenden Kalenderjahres.
    • Der verstorbene Ehegatte muss zum Zeitpunkt seines Todes unbeschränkt einkommensteuerpflichtig gewesen sein.
    • Das Ehepaar darf bis zum Zeitpunkt des Todes nicht dauernd getrennt gelebt haben

IV

  • ist für Ehepartner die in etwa das gleiche verdienen

V

  • bekommt der Ehepartner des besser verdienenden Partners mit der III er Steuerklasse

VI

  • Ihr habt ein zweites oder weiteres Dienstverhältnis
  • Früher gab es noch die Einordnung in die VI er Steuerklasse, wenn ihr verraft habt die Lohnsteuerkarte vorzulegen, diese gibt es heute nicht mehr, deswegen: Keine Panik

Bitte denkt daran, Eure Steuerklassen zu wechseln wenn Ihr heiratet sonst wird der Lohn falsch berechnet und es gibt ein großes rumgerechne bei der Steuererklärung 😉 Außerdem steht Euch die I er Steuerklasse gesetzlich nicht mehr zu.

Muss ich jetzt eine Steuererklärung abgeben oder nicht?

Ja, wenn

  • Ihr die Steuerklassenkombi III/IV habt
  • Ihr Nebeneinkünfte habt die über € 410 liegen (Einkünfte aus Vermietung & Verpachtung, Nebeneinkünfte etc.)
  • Ihr Progressionseinkünfte (z.B. Krankengeld, Elterngeld, Arbeitslosengeld) bezogen habt, diese sind zwar Steuerfrei werden aber zur Bemessung des zu versteuernden Einkommens herangezogen
  • Ihr eine Abfindung von Eurem alten Arbeitgeber erhalten habt
  • Ihr hattet gleichzeitig mehrere Arbeitgeber
  • Ihr habt einen Ehegatten im Ausland, für den Ihr einen fiktiven Wohnsitz in Deutschland beantragt habt
  • Ihr Freibeträge auf der Lohnsteuerkarte habt vermerken lassen, da checkt das Finanzamt gerne ob die noch rechtmäßig sind (man kann sich höhere Werbungskosten, außergewöhnliche Belastungen und so eintragen lassen)

das sind so die häufigsten Gründe wieso Ihr dazu verpflichtet seid /verpflichtet werden könnt, eine Steuererklärung abzugeben.

Wer macht jetzt meine Steuererklärung und wie kommt sie von meinem Papierkorb Schreibtisch zum Finanzamt?

Also entweder macht man sie selbst oder man lässt sich von einem Steuerberater oder von einem Lohnsteuerhilfeverein helfen.

Beim selber machen sollte man allerdings aufpassen, denn wir betreuen regelmäßig Mandanten die auch dachten „Och, ich mach das mal selbst!“ und dann Dinge falsch eingetragen haben und dann kam statt der erhofften Erstattung eine fette Nachzahlung raus und dabei ist es egal wie intelligent diese Menschen sein mögen, entweder man kennt die Grundlagen im Steuerrecht ein bisschen, man weiß wo man nachschauen muss oder man lässt sich eben helfen, dass ist ja auch nichts schlimmes 🙂

Was brauch ich alles?

An Belegen zur Erstellung der Einkommensteuererklärung braucht Ihr folgendes:

  •  den Ausdruck der Elektronischen Lohnsteuerbescheinigung
  • Nachweise über Kranken- /Arbeitslosen- /Mutterschaftsgeld
  • Wenn Ihr Rentner seid, den Bescheid über die Rentenanpassung zum 01.07.
  • die Bescheinigung über Vermögenswirksame Leistungen (Anlage VL)
  • Nachweise über gezahlten Unterhalt
  • Nachweis über Nebeneinkünfte
  • Eure Nebenkostenabrechnung
  • Belege zu Krankheitskosten: Privatrezepte, Zuzahlung Zahnarzt, Brille etc.
  • evtl. Schwerbehindertenausweis
  • Nachweise über Spenden
  • Nachweise über Zusatzbeiträge bei der Kranknversicherung
  • Nachweis zu Beiträgen bei privater Krankenversicherung
  • Nachweis über Beiträge zur Haftpflicht-, Lebens-, Unfallversicherung
  • Nachweis über gezahlte Beiträge zu einer Riester- oder Rüruprente
  • Aufwendungen für eine Bestattung oder Scheidung
  • Unterlagen Eurer Kinder für Aufwendungen für Kita & Hort
  • die Steuerbescheinigung Eurer Bank über Kapitalerträge alternativ den Freistellungsauftrag über € 801
  • Infos über ausländische Kapitaleinkünfte (!!!)
  • Belege zu Werbungskosten, dies sind Aufwendungen die dem Erhalt und der Sicherstellung von Einnahmen dienen, also alles was ihr braucht um Euren Beruf ausüben zu können, also z.B.:
  1. Angaben zu Wege zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte,
  2. Literatur,
  3. Arbeitsmittel (PC, Drucker, Scanner, Arbeitskleidung, Werkzeuge etc.)
  4. Nachweise über Fortbildungen
  5. Nachweise zum Arbeitszimmer (dafür braucht Ihr allerdings auch einen Arbeitgeberbescheinigung darüber, dass kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht)
  6. Bewerbungskosten (Fotos, Mappen, Porto etc.)
  7. Angaben zur evtl. vorhandenen Doppelten Haushaltsführung
  8. Rechtsberatung in Arbeitsfragen (z.B. checken eines Arbeitsvertrags)

So und die Belege nimmt man dann und ordnet sie den einzelnen Anlagen zu, früher tat man das auf formschönen, analogen Formularen wie diesen hier:

mail.google.com

Heute sieht es die Finanzbehörde lieber, wenn man die Sachen elektronisch übermittelt, allerdings würde ich aus persönlicher Erfahrung aus dem Büro sagen, dass so lange das Papier noch genommen wird man darauf zurückgreifen sollte.

Und schon alleine die Tatsache, dass die elektrosche Steuererklärung ELSTER heißt…nunja.

24996-elsteronline

Für die elektronische Verschickung benötigt man außerdem ein Windoof, es gibt zwar Versionen für Mac und Linux diese wurden allerdings bisher noch nicht freigeschaltet, weil man offensichtlich keinen Bock auf die Wartung hat.

Die Finanzämter haben in den letzten zwei Jahren ein neues automatisiertes System der Veranlagung eingeführt, das mehr schlecht als recht klappt, eigentlich sollten alle Eingänge gescannt und derweil auf Schlagwörter untersucht und dann der jeweiligen Steuerakte zugeordnet werden. Unsere Erfahrung damit ist eher frustrierend, weil offensichtlich Erklärungen, die nicht eindeutig zugeordnet werden können, weil sie entweder das gesetzte Buzzword oder andere Merkmale nicht enthalten, offensichtlich im Nirvana landen, es sind noch nie so viele eingereichte Erklärungen „verschütt“ gegangen wie seit der Systemumstellung.

Wenn man dann alles eingegeben hat, unterschreibt man den sog. Hauptvordruck (bei der elektronischen Übermittlung versendet man autorisiert mit einer eigens zugewiesenen ID) und reicht das Zeug samt Belegen beim Finanzamt ein.

Dann heißt es warten, sehr lange warten, denn seit der Systemumstellung haben sich die Bearbeitungszeiten verdreifacht laut Auskunft der Finanzämter liegt das allerdings auch an ständigem Personalmangel und generellen Ausfällen durch Krankheit und Schwangerschaften.

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